2018/04/10 | Bernd Rinser | Gdanska Oberhausen

Bericht: Peter Altenkirch

Fotos: Albrecht Schmidt

Da ist er wieder.

Nach fast 2einhalbjähriger Gdanska Abstinenz beglückte Bernd am heutigen Abend wieder einmal das zahlreich erschienene Publikum. Diesmal ohne Gitarren-Sideman, dafür ausgestattet mit 7 Gitarren, einer Bassdrum, ein halbes Dutzend Harps und  jeder Menge skurriler, trauriger und witziger Geschichten, die er  im Stile traditioneller amerikanischer Blues- Country- Folk -Roots Weisen musikalisch darstellte.

Bernd versteht es , wie kaum ein anderer den Spirit seiner Idole wie z.B. Johnny Cash, Townes van Zandt, Willy deVille oder Hank Williams in seinen Songs einzufangen und mit Authentizität und viel Herz und Seele zu performen. Er lebt diese Musik. Stampfende BluesRockRhythmen wechseln sich ab mit bluesiger Slidegitarre, gewürzt mit  feiner akzentuierter Saitenakrobatik, getragen von seiner souligen, manchmal rauchigen aber immer aus dem Herzen kommender Stimme.  Zwischendurch erheiterte er mit dem einen oder anderen Anekdötchen das Volk. Ob von dem etwas morbiden aber dennoch zum Grübeln geeigneten Spruch eines aus Östereich stammenden Schriftstellers: Heimat ist da, wo man sich aufhängt oder die nette Geschichte über Leonard Cohen und Janis Joplin, die sich im Aufzug des Chelsea Hotel in New York zufällig trafen und eine heiße Liebesnacht dort erlebten, wobei doch Janis eigentlich  Kris Kristofferson verführen wollte. Wie das Leben so spielt. Leonard hat dann dieses Erlebnis im Song Chelsea Hotel verarbeitet und einige Jahre später seine Beweggründe hierzu auch der Öffentlichkeit dargelegt. Auch seine Erläuterungen zum Cow Punk , den er dann auch musikalisch vortrag, legen Zeugnis ab ob seines eigenwilligen aber tiefgründigen Humors, der sich auch immer  in seinen Lieder wieder findet. Ach ja- Cow Punk ist ähnlich wie  Dead Kennedys auf Valium oder wenn Johnny Cash mit einem defekten Vorverstärker spielen würde.

Bernd Rinser zeigte an diesem Abend wieder einmal, dass er ganz oben in der Liga der BluesrockRootsSoul Poeten spielt. Obwohl Klassifizierungen dieser Art nicht sein Ding sind, denke ich, dass jeder, der Bernd mal live erlebt hat, mir zustimmen wird.

Leute, wenn ihr die Möglichkeit habt, schaut euch Bernd live an, bringt aber Zeit mit, denn seine Konzerte dauern selten weniger als 3 Stunden, die jedoch wie im Flug vergehen.