From Austria to the World: Meena Cryle & The Chris Filmore Band 2013/06/29

Wie bereits berichtet – und hier in der Kategorie Konzertberichte nachzulesen – wurde das 5. Brucker Bluesfestival zum Abschluss mit dem Auftritt der Meena Chryle & Chris Fillmore Band gekrönt. Obwohl die Band erst kurz vor ihrem Auftritt Bruck erreichte, nahmen sich die Musiker die Zeit, mit uns über Gott und die Welt und natürlich insbesondere den Blues zu plaudern.

Hier nun ein „kleines“ Special zur Meena Cryle & The Chris Fillmore Band :

In Meenas Heimatdorf Überackern ( geschätzte 600 Einwohner, 5 Bauernhöfe, eine Kirche und zwei Wirtshäuser ) wurde, als noch kein Mensch ahnte, dass sie sich eines Tages aufmachen würde eine Blues Göttin zu werden, hier, ziemlich weit abgeschnitten von der Welt der Rock´n Roll , Blues- und Soulmusik, der Grundstein für ihre musikalische Entwicklung gelegt. Gemeint ist das in Meenas Familie traditionsgemäß ausgeübte „Gstanzln“. Meena erklärte, dass „Gstanzl“ eine Art Volksmusik ist, in der, eben wie im Blues, Lebensgeschichten in Mundart zu „schrammeliger “ Musik erzählt werden. Diese Art von Volksmusik sollte man aber auf keinen Fall mit der in deutschen Landen verbreiteten Volksmusik ala „Musikantenstadl“ vergleichen.

Im Teenageralter lernte Meena Chris kennen, der von Hause aus schon sehr früh mit dem Rock´n Roll Virus infiziert wurde. Chris ist von Kindesbeinen an leidenschaftlicher Elvis Fan. Das mag für einen Gitarristen verblüffen. Guitarplayer sollten doch eigentlich Guitarplayer als Vorbild haben. Natürlich verehrt und bewundert Chris die üblichen Guitarheros wie Jimi H. oder Eric C., jedoch ist der Mythos Elvis tief in seinem Herzen verankert. Wie mir Chris versicherte, ist, und das ist den meisten Menschen gar nicht so bewusst, Elvis auch ein veritabler Gitarrist gewesen. Ihr Bruder und Chris brachten Meena dann die Welt des Blues und Souls näher. Meena und Chris musizieren jetzt schon mehr als die Hälfte ihres Lebens zusammen. Obwohl die Anfangsjahre nicht unbedingt von kommerziellen Erfolg begleitet wurden und gewiefte Manager versuchten, Chris und Meena in eine Coverband mit Songs von Ike und Tina Turner oder Janis Joplin, zwecks schnöden Gelderwerbs, umzuwandeln, blieben Meena und Chris ihrer musikalischen Linie treu. Und das war und ist gut so.

Wie das Beispiel der Meena Cryle & Chris Fillmore Band zeigt, setzt sich Qualität mit der Zeit doch durch. Natürlich bedarf es auch etwas Glück und der Zufall spielt an der ein oder anderen Stelle eine nicht unbedeutende Rolle. In diesem Fall vereinten sich wohl Glück und Zufall in der Person des Bluesfeinkosthändlers Thomas Ruf, der Meena und die Chris Fillmore Band- Franky Cortez an den Drums (Achtung: Neil Youngs Cortez the Killer spielt bei dieser Namensgebung keine unbedeutende Rolle) und Marlene Lacherstorfer am Bass unter die Fittiche des Ruf Records Label nahm. Ihr erstes Album Try me, welches in Memphis von keinem Geringeren als Jim Gaines, der auch schon Santana und John Lee Hooker betreute, produziert wurde, erntete in der ganzen Welt großes Lob. Es folgten Auszeichnungen auf Auszeichnungen. Zwischenzeitlich pendelt die Band stetig zwischen den Staaten und Europa hin und her und begeistert auch in den Staaten ihr Publikum. Letztes Jahr folgte auf Try me Feel me. Das zweite Album wurde in Berlin produziert und erntete nicht nur in der Fachwelt höchstes Lob.

Die dritte CD ist derzeit in Arbeit und sollte ursprünglich auch noch einmal in Memhis aufgenommen werden. Meena und Chris haben jedoch beschlossen, diesmal nicht mit dem gesamten Equipment über den großen Teich zu hecheln. Sie bleiben in Europa, um genauer zu sein in Berlin, wo das Album dann den Endschliff erhalten wird. Bei dieser Vorgehensweise zeigt sich einmal mehr die Authentizität von Meena und Chris und ihren Mitstreitern Marlene und Frank. Obwohl Jim Gaines einen weltweit sehr guten Ruf genießt, ist sich die Band ihrer Qualität und Fähigkeiten bewusst. Ich bin mir sicher, dass die dritte CD auch ohne Mitwirkung von Jim Gaines wieder Blues, Soul und Rockknaller vom Allerfeinsten enthalten wird. Mal ganz davon abgesehen, dass Berlin auch viel näher an ihrer Heimatstadt Wien liegt. Die neue CD hat noch keinen Namen. Wir philosophierten in der Analogie von try und feel me und hatten auch ein paar lustige Einfälle wie z.b. hit me, play me oder pay me. Weitere Vorschläge werden gerne entgegengenommen, obwohl ich glaube, dass Meena den Titel schon kennt.

Obwohl die Band nun schon seit über 2 Jahren weltweit erfolgreich unterwegs ist und die Regularien des manchmal von monetären Zwängen beeinflussten Lebens im Musikbusiness mit Höhen und Tiefen zu nehmen weiß, wird mir jeder, der schon einmal näheren Kontakt zur Band hatte oder ein Konzert besuchen konnte, mir recht geben, wenn ich behaupte, dass Meena, Chris, Marlene und Franky nicht nur phantastische Musiker sondern allemal liebenswerte Menschen sind.

Marlene, auf den ersten Blick möchte man ihr seine Unterstützung ob des großen Bassgerätes in den Händen dieser zierlichen Person anbieten. Aber Obacht-zwar zierlich in der Gestalt beherrscht die studierte Rhythmusvirtuosin ihr Arbeitsgerät mit Esprit und feiner Technik. Manchmal wirkt sie auf der Bühne etwas introvertiert. Mit ihrer Band Velojet spielt Marlene vorzüglichen Indie Pop/Rock und zeigt sich hier etwas extravaganter und ausgelassener, was ihr auch gut steht.

Franky, bekennender AC/DC und St. Pauli Fan ist Vollblutmusiker und Profi durch und durch. Bei der ersten Plattenaufnahme in Memphis z. B. bestand Jim Gaines darauf, dass seine Studiomusiker eingesetzt werden. Obwohl nicht gerade begeistert, weiß Franky, dass so etwas nicht unüblich im Musikbusiness ist und ein Profi dies eben entsprechend zu nehmen weiß.

Chris und Meena sind natürlich stolz ob ihres Erfolges. Sie bleiben trotz Terminhetze und geschätzten 2.000 Interviews in den letzten paar Monaten höflich, wißbegierig, zeigen keinerlei Starallüren und sehen es als ihre Pflicht an, dem Publikum immer das Beste zu bieten. Die Meena Cryle & Chris Fillmore Band ist und bleibt eine Liveband. Meena macht aus ihrem Herzen keine Mördergrube und dank ihrer außergewöhnlichen Bühnenperformance bleibt niemand von dieser emotionalen und hinreißenden Darbietung unberührt.

Ach übrigens- der Name Meena kommt aus dem Indischen und bedeutet Edelstein.Nomen est Omen.

Peter Altenkirch