2017/11/03 | Henrik Freischlader & Mike Andersen Doppelshow | Musiktheater Piano Dortmund

Review: Peter Altenkirch

Seinen 35zigsten Geburtstag feierte Henrik im Piano und ließ alle Konzertbesucher daran  teilhaben.

Nicht nur, dass er mit seiner nach der Blues for Gary Ära neuen Henrik Freischlader Band Moritz Meinschäfer (Schlagzeug), Armin Alic (Bass), Roman Babik (Keyboard), Marco Zügner (Saxophon), dem Volke wieder allerlei musikalische Leckerbissen präsentierte, nein, alle Anwesenden ( knapp 400 People) erhielten ein Freigetränk und im Anschluss an dieser sagenhaften Doppelshow mit Mike Andersen auch allerhand leckere Speisen, die das aufmerksame und freundliche Piano Team buffettmäßig im Vorraum platzierten.

Toll. Eine überaus bemerkenswerte und generöse Geste vom Saitenmeister.

Henrik eröffnete kurz nach 8 mit seiner Band diesen Musikabend. Leicht und locker begrüßte er das bestens gelaunte Publikum und leicht und locker präsentierten diese fab five  Liedgut des Meisters und genial interpretierte Coverversionen vom ua Altmeister Peter Green. Henriks Gitarrenspiel zu loben ist fast schon müßig. Wer Henrik schon mal live erlebt hat, weiß, dass einem Gitarrenkunst auf höchstem Niveau geboten wird. Henrik beherrscht alle Facetten; von Slowhand über Express und Lichtgeschwindigkeit bis hin zum Warpantrieb und wieder zurück. Aber Henrik ist kein soloverliebter Alleinunterhalter. Er weiss, dass er die Bühne mit einer  großartigen Band  teilt und  jeder Musiker erhielt ausreichend Gelegenheit und Raum sein Können eindrucksvoll zu demonstrieren. Die Band agierte dermaßen harmonisch, dass man glauben könnte, die Jungs würden schon Jahrzehnte zusammen spielen. Ein echter Genuss. Nach schlappen 75 Minuten endete der 1. Teil dieser Musikshow. Henrik entließ uns in der Gewissheit, dass es noch eine gemeinsame Session mit der Mike Andersen Band geben wird  und wir uns alle dann am  Buffett  wieder treffen werden.

Nach wenigen Minuten ging es auch schon weiter. Mike Andersen enterte mit seiner Jungs
Johannes Nørrelykke – Rhythm Guitar
Kristian Kold – Bass
Kristian Fogh – Keyboards
Mads Andersen – Drums    die Pianostage, um seine neueste Scheibe „Devil is back“ vorzustellen.

Mike, der sicher auch eine Karriere als Model hätte einschlagen können, hat sich  schon vor Jahrzehnten dem Blues und Soul verschworen, was ihm damals sorgenvolle Kommentare aus seinem privaten Umfeld und erst recht von dem Geldinstitut, welches seine erste Platte finanzieren sollte, einbrachte. Gut, dass er so beharlich seinen Weg ging und uns nun nicht von Plakatwänden sondern von der Pianobühne  aus anstrahlte.

Und schon bald strahlte das Volk zurück. Die musikalischen Wurzeln von Mike und seinen Nordmännern liegen eindeutig nicht im hohen Norden, sondern eher im schwülstigen sumpfigen Süden der amerikanischen Südstaaten. Statt mit  Smørrebrød  verwöhnte uns die Mike Andersen Band mit einer aus viel Gumbo und Jambayala angereicherten Mixtur aus modernem Soul und Blues, wobei der ein odere andere rockige Kracher das Ganze genial bereicherte. Keiner im Saal konnte sich der samtigen Stimme Mikes entziehen. Mikes Gitarrenspiel war zurückhaltend aber pointiert. Die meiste Arbeit überließ er größtenteils dem gut aufgelegten Johannes an der Rhythmusgitarre. Wie zuvor bei Henrik, spielten auch diese Jungs überaus harmonisch zusammen, erhielten ebenfalls genug Raum und Zeit um ihr Können ins rechte Licht zu setzen, wobei ich ein großes Lob am Kristian Fogh an den Keys ausprechen möchte, der sich auch als toller Sänger präsentieren konnte. Die kleinen Anekdoten von Mike zu Hamburg in Verbindung mit dem Song City of Sin kamen genauso gut an, wie die eingestreuten unplugged, lediglich mit Akustikgitarre untermalten acapella Gesangseinlagen. Das Call und Response mit dem Publikum klappte hervorragend. Als dann auch noch Henrik im Zugabenteil bei Sweet Tooth mit einstieg, war es jedem klar: Besser geht nicht.

Oder doch? Doch. Das Grand Finale und für mich der Höhepunkt dieses denkwürdigen Abends  war die gemeinsame Session zu Yield not to Temptation. Zehn Musiker auf der Bühne. Zwei Drummer, zwei Bassisten, zwei Organisten, drei Gitarristen und ein Saxophonspieler. Echt der Hammer. Es passte alles. Es wurde interpretiert, soliert, gejammt; die Drummer hatten ihre gemeinsame Soloeinlage und ergänzten sich klasse ohne in Konkurrenz auszubrechen –  einfach herrlich.

(Ach ja- Das Buffett war auch klasse)