2018/10/10 | Henrik Freischlader Band, Old School Tour | Zentrum Altenberg Oberhausen

Bericht: Peter Altenkirch

Was möchte uns der Saitenmeister mit diesem Tourmotto vermitteln? Lehnt er  jetzt neuartige, innovative Musiktechniken und Darstellungsformen ab und beschwört, vielleicht mit einem romantisch verklärten Vintageblick, die „Gute Alte Zeit“ (so sagt man ja im Allgemeinen-früher war alles besser) wieder herauf? Oder ist es der durchaus sinnvolle Hinweis darauf, dass die derzeitige über social networks angewandte zwischenmenschliche  Kommunikation  alles andere als social und menschenfreundlich ist und man sich endlich wieder auf alte Werte wie z.B. dem persönlichen Gespräch oder den Besuch eines Musikclubs besinnen sollte, wobei das Smartphone zu Hause bleibt, um sich dann voll und ganz dem Liveerlebnis zu widmen. Na ja, vielleicht interpretiere ich auch zu viel hierein, wobei Henrik aber auch immer wieder betont, dass Facebook und das Internet insgesamt der Menschheit nicht gut tut und er sich soweit es geht nicht von der digitalen Welt beherrschen lassen möchte.

Auf der Homepage von Henrik (ganz ohne Internet geht es doch nicht) wird Old School wie folgt erklärt: Oldschool ist die Devise – mit dem Bus herumfahren und live spielen – in coolen Clubs, für echte Musikliebhaber und mit einer gut eingespielten Band. So sei es denn.

Zu der Tour haben Henrik und seine Mannen

Moritz Meinschäfer – Schlagzeug
Armin Alic – Bass
Roman Babik – Keyboards
Marco Zügner – Saxophon

das passende Album rausgebracht. Hands on the Puzzle klingt traditinell oldschoolmäßig bluesig mit leichten, wohl dosierten Jazzansätzen.

Nachdem Henrik die d Seite seiner ramponiert aussehenden Telecaster gestimmt hatte, startete die Band dann auch kurz nach Acht  mit dem Opener des  Albums Community Immunity und überraschte den einen oder anderen mit bluesig jazzigen Rhythmuswechseln. Mit dem rockigen Love Straight ,ebenfalls von  der neuen Langrille, wurde das bestens aufgelegte Publikum dann korrekt eingegroovt. Neben diesen neuen Songs, begeisterte die Band auch mit uralten Stücken und zwei genialen Versionen alter Johnny Guitar Watson Songs. So wurde beim Masterplan Song kräftig und sogar harmonisch mitgesungen. Die Interaktion Stage und Saal funktionierte. So auch bei Ain´t that a Bitch (JGW), wobei hier Wert auf laute Misstöne am Ende der  Textzeile…Bitch…gelegt wurde. Henriks Ansagen waren wie immer lässig und  humorvoll. Er sucht und findet den Kontakt zum Publikum. Die neuen , alten und uralten Songs wurden vom Volk enthusiastisch aufgenommen und gefeiert. Kein Wunder. Diese Besetzung ist wirklich Spitzenklasse. Marco Zügner am Saxophon bereicherte mit seinem facettenreichen Alt-Saxophon Spiel die Show. Roman Babik zauberte zu Herzen gehende Melodienbögen aus seinen Boards. Auf der sicheren Grundlage der Rhythmusgeber Moritz und Armin konnten sich EGitarre, Sax und Keys im Wechselspiel austoben , so z.B. u.a. bei Those Strings.  Genial. Moritz Meinschäfer an den Fellen bearbeitet sein Arbeitsgerät unaufgeregt aber punktgenau, elegant und immer mit dem richtigen Groove. Gleiches gilt für Armin Alic an den dicken Saiten.

Während der gesamten Show beieindruckte die Band mit ihrer musikalischen Harmonie. Da passte wirklich alles. Die Improvisationsausflüge von Roman, Marco und natürlich Henrik umfassten ein Spektrum das von sensibel bis hin zu wuchtig und zupackend  nur dürftig beschrieben ist.

Mit einer der Höhepunkte war die 16einhalbminütige Zugabe, welche einfühlsam als Bluesballade mit einer an Peter Green erinnernde Gitarre begann, sich dann tempomäßig im  Wechselspiel und Einklang mit Keyboard und Sax und dem wuchtigen von Armin und Moritz vorangetriebenen Grooves steigerte, sich fulminant zu einer musikalischen Kathedrale aufbaute, die einen sprachlos gefangen hält und dann doch gegen seinen Willen mit Ausklang der letzten Töne wieder freisetzt.

Ich liebe Old School.