2018/12/04 | Go Music Weihnachtskonzert| Gdanska Oberhausen

Bericht: Peter Altenkirch

Seit unglaublichen 22 Jahren ist Martin Engelien mit seiner Go Music Konzertreihe  erfolgreich unterwegs. Und nun, zur Weihnachtzeit 2018 hat er gemeinsam mit  dem rennfahrenden Gitarrenhexer Victor Smolski etwas ganz Besonderes auf die Beine bzw. Bühne gestellt. Ein Rock meets Classic Ensemble der Spitzenklasse, welches kongenial bekannte und weniger bekannte Weihnachtslieder in einem rockigklassischen Gewand erstrahlen ließ und das Publikum von der ersten bis zur letzten Minute begeisterte und mitriss. Von wegen besinnliche Zeit. Rock`n´Roll Stimmung pur mit einem Schuss weihnachtlicher Romantik. Nachdem das Ensemble Virtuoso aus München, welche sonst hauptberuflich bei den Münchener Philharmonikern spielen,  mit Valery Weruchanow – Querflöte, Galina Lanskaia – Violine, Konstantin Tsaryk – Cello und Kaloyan Trifonov – Kontrabass diesen tollen Konzertabend mit dem für Go Music Konzerte üblichen  improvisierten Intro eröffneten, erfreute uns Dean Martin aka Martin Gerschwitz (Iron Butterfly ua) mit dem legendären let it snow. Ein schöner Einstieg.

Leider musste Martin E. berichten, dass Sylvia Gonzales Bolivax einen Unfall hatte und heute Abend nicht dabei sein kann. Sie muss das Bett hüten und wird in dieser Zeit auf die Begleitung der Herren  Ibu und Profen  angewiesen sein. Schade. Die besten Genesungswünsche auch noch mal an dieser Stelle.

So begab es sich, dass die aus Sardinien stammende bezaubernde Ilenia Romano  auch  Sylvias  Gesangsparts übernahm. Hammer. Ilenia wird oft, und auch an diesem Abend , mit dem  Attribut  als die schönste Stimme Sardiniens angekündigt. Das trifft allemale zu und ist dennoch maßlos untertrieben. Da gibt es weitaus größere Inseln und Länder, in denen man vergeblich eine derartige Sängerin finden wird. Sie muss den Vergleich mit den ganz Großen in diesem Genre nicht scheuen. Ihr engelsgleicher Gesang verzauberte alle Anwesenden. Ob der rockige Chuck Berry Klassiker Run run Rudolph, John Lennons  Happy XMas (War is over) oder Greg Lakes I believe in father christmas, Ilenias Performance ließ alle Herzen höher schlagen. Unerwähnt soll aber natürlich auch nicht bleiben, dass ihre Mitstreiter , jeder für sich eine  Koryphäe seines Faches,  in diesem Ensemble mit voller Power und Esprit  eine ungezügelte, belebende Spielfreude aufs Parkett , sorry Bühne, legten, und wirklich jeden im prall gefüllten Saal  begeisterten.

Micha Fromm Schlagzeuger der GoGorillas und der Band Velvet Viper lieferte das sichere rhythmische Fundament.

Martin Gerschwitz (Iron Butterfly ua) , Keys, Gesang und Storyteller (sh. auch Bericht Go Music vom 06.02.2018, in dem die lustige In a gadda da vida Weltrekordgeschichte beschrieben ist) gelang es, ob seiner klassischen Ausbildung und seiner erfrischenden Musikalität, neben den rockigen Weihnachtssongs Bachs Kantanten so dynamisch und wuchtig vorzutragen, das auch Johann Sebastian seine Begeisterung hätte nicht zurückhalten können.

Victor Smolski, der rennfahrende Gitarrenhexer aus Weissrussland, vereint Symphonic Power Metal mit Klassik, Weltmusik und der Moderne. Ihm haben wir dieses herrliche Go Music Arrangement mit dem klassischem Quartett aus München zu verdanken. Müßig zu erwähnen, dass Victor zu den weltbesten Gitarristen zählt.

Das vierköpfige Ensemble Virtuoso bereicherten mit ihrer Performance das Gesamtbild nachhaltig . Hatte man in früheren Jahren  wie z.B. bei Deep Purples Concerto for Group and Orchestra den Eindruck, dass hier zwei Welten aufeinanderprallen, die sich nicht verstehen, konnten alle Musiker eindrucksvoll beweisen, dass dies nicht so sein muss und klassische Stilmittel, sinnvoll eingesetzt, Rocksongs aufpeppen und verfeinern können. Ein tolles Hörerlebnis.

Wie immer bei Go Music Konzerten herrschte im Saal und auf der Bühne eine fröhliche, ausgelassene familiäre  Stimmung. Man kennt sich halt. Dass vorgetragene Liedgut ist in den meisten Fällen nicht unbekannt; jedoch unbekannt und deshalb spannend und erregend ist die Perfomcance der Musiker . Jeder Song scheint eine eigene musikalische Entwicklung auf der Bühne zu nehmen und niemand weiss so recht, wohin uns die Musiker führen werden. Die Improvisationen sind nicht (so wie Martin es immer beschreibt) vorherhörbar. Und das ist auch gut so. Apropos familiäre Stimmung. Martins Mutter war ebenfalls anwesend und schien auch gerührt von dem Vortrag ihres Sohnes zu sein, der in Anlehnung an eine im Hause Engelien zur Weihnachtszeit generationsübergreifende Gepflogenheit, ein Gedicht vorzutragen, sich bemüssigt fühlte, live, freihändig , fehlerfrei mit gut artikulierter Stimme  und ohne Leseprompter , eben dieses, nachstehende Gedicht von Joseph von Eichendorff vorzutragen:

Weihnachten

Markt und Straßen stehn verlassen,
Still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh ich durch die Gassen,
Alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen
Buntes Spielzeug fromm geschmückt,
Tausend Kindlein stehn und schauen,
Sind so wunderstill beglückt.

Und ich wandre aus den Mauern
Bis hinaus ins freie Feld,
Hehres Glänzen, heil’ges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen,
Aus des Schnees Einsamkeit
Steigt’s wie wunderbares Singen –
O du gnadenreiche Zeit!

 

RESPEKT, der Junge hat´s drauf (Wahrscheinlich wollte er aber nur mal zeigen, dass er in der Schule doch immer aufgepasst hat)

So macht Weihnachten Spass. Ein tolles Konzerterlebnis wurde uns beschert, welches in dieser Form ohne die Initiative und Arbeit von  gitarrissimo Jürgen Reinke, Günter Bergstein und natürlich Herrn Gdanska himself Czeslaw Golebiewski nicht möglich gewesen wäre. Nicht wenige Gäste haben sich dieserhalb auch bei den Herren persönlich ,oft mit feuchten Augen, bedankt.