Feidman plays Beatles | Giora Feidman & Rastrelli Cello Quartet


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pFeidman plays Beatles mit special guest Jerusalem Duo | © Stephan Haeger

Der Maestro, der Versöhner, der Grand Seigneur des Klezmer: Giora Feidman war 28, als er zum ersten Mal die Beatles hörte, 1964 war das in den USA, John Lennon war 24 und Paul McCartney 22 Jahre alt, „es steckte eine unheimliche Kraft in ihrer Musik“, sagt Feidman im Blick zurück.

Es war die Kraft zu überzeugen. Noch ein Blick zurück auf das Jahr 1964: Martin Luther King nahm den Friedensnobelpreis entgegen, Willy Brandt wurde Vorsitzender der SPD. Einerseits, andererseits wurde Nelson Mandela zu lebenslanger Haft verurteilt, in Deutschland wurde die NPD gegründet  —  1964 war die Welt eine zerrissene, es gab wundervolle Aufbrüche und erzreaktionären Widerstand. Und es gab die Beatles, sie wurden  —  lange vor Woodstock, vor „Hair“  —  Ausdruck einer weltweiten Bewegung, sie drückten eine Überzeugung aus, Giora Feidman:

„Was mich am tiefsten beeindruckt und die Beatles für mich so ungeheuer wichtig gemacht hat, ist der Umstand, dass sie praktisch die ganze Welt geeint haben. In der Begeisterung für die Beatles waren sich die jungen Leute auf allen Erdteilen einig, Unterschiede in Religion und Kultur spielten plötzlich keine Rolle mehr. Die Kriege, die die Eltern noch miterlebt hatten – Vergangenheit. Arm oder reich war auch egal, nach und nach schwanden sogar die Generationsschranken. Das hat kein anderer Künstler, keine andere Gruppe vor oder nach den Beatles in diesem Maße erreicht. Es war wunderbar und hat mich in tiefster Seele berührt. Und es wirkt ja immer noch weiter. Eine neue junge Generation hat begonnen, die Beatles für sich zu entdecken. Mein Enkel in Israel ist elf und spielt auch Klarinette. Gerade hat er mich gebeten, Ihm von meiner nächsten Reise nach Deutschland zwei ganz bestimmt Beatles-Bücher mitzubringen. Das ist doch großartig.“

Die Überzeugungskraft des Pop, weltumgreifend. Popmusik ist eine „imaginierte Form des Begehrens“, eine imaginierte Form der Nächstenliebe, man fühlt sich anderen nah, die weit weg sind, weil sie die selbe Musik mögen. So setzen Popsongs ihre eigene Wirklichkeit frei, Giora Feidman setzt die der Beatles in Szene:

Gemeinsam mit dem Rastrelli Cello Quartett hat er Songs von Lennon / McCartney ausgewählt und sie  —  die Arrangements stammen von Sergej Drabkin  —  in kammermusikalische Form gebracht. Mit einer kammermusikalischen Übersetzung ihrer Musik hatten die Beatles selber begonnen, 1965 bereits hatten sie mit Streichquartetten gearbeitet, man höre nur mal „Yesterday“. Feidmans Cellist und Co-Arrangeur Kira Kraftzoff:

„Als sie 1966 ‚Eleanor Rigby‘ aufnahmen, spielten die Streicher eigentlich viel zu geradeaus und hart, um dem empathisch-melancholischen Text des Songs gerecht zu werden. Und Giora und wir waren jetzt ja auch noch in der Situation, ganz ohne den Text zu arbeiten. Alles, was Paul McCartney an Emotion in diesen Song hineingepackt hat, muss jetzt durch unsere Instrumente Ausdruck finden.“

Und eben dafür  —  Ausdruck zu finden durch ein Instrument hindurch  —  gibt es kaum einen auf der Welt, der dies besser könnte als Giora Feidman. Rund um den Erdball wird seine Klarinette dafür gerühmt, dass sie menschliche Leidenschaft ausdrücken kann, dass sie einen Klang finden kann auch da, wo Worte versiegen. Versöhnung? Ist ein großes Wort, eines, das man kaum sprechen, wohl aber hören kann.


FEIDMAN PLAYS BEATLES
Giora Feidman & Rastrelli Cello Quartett
Special guest: Jerusalem Duo


Datum: 03/01/2018
Uhrzeit: 20:00 Uhr
Ort: Christuskirche Bochum
Stadt: Bochum