Hundreds | elektro akustik tour Support-Act: JOCO


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„Wilderness“. Ihr drittes Album. Es wurde gefeiert, dann wurden sie selber gefeiert auf der Tour, die hat bis Ende 2016 gedauert, und jetzt  —  legt eine abendliche Ruhe sich über das üppige Werk, diesen brachial sensiblen Pop Noir. Das Werk kehrt in sich selber zurück, der Wald steht schwarz und schweiget, und aus der Wilderness steiget ein goldener Nebel  —  ein wunderbares Werk.

Aus Hamburg, das Duo ein Geschwisterpaar, Eva ist fünf Jahre jünger als Philipp, er ein studierter Jazzer, sie die Stimme des Pop. Eine ruhige Stimme, kontrollierte Emphase und auf diese Weise eigentümlich entrückt, es ist, als sei der Klang dieser Stimme in einer Kristallkugel geborgen. Die Melodien: Pop von großer Güte, die Soundwelt: Post Rock, Synthie-Pop, Electronics.

Vor knapp zehn Jahren sind sie auf phänomenale Weise in den Kosmos der Musik eingestiegen. Phänomenal, weil sich niemand erklären konnte, worin das Geheimnis ihrer Musik liegen mag, die immer beides ist, entrückt und unmittelbar:

„So wenig greifbar wie die Personen dahinter, bietet sie trotzdem Umarmung an. Immer und unbedingt.“

Schrieb Sinnbus, ihr damaliges Label [das wir hier so mögen, Me And My Drummer beispielsweise sind dort geworden, was sie sind]. Sie ist von Farben getränkt, die Musik der Hundreds, alle Farben sind üppig und satt und ziemlich dunkel, nur ab und an etwas Orange, ein lindgrüner Schatten, ansonsten

[Eva:] Blau.

[Philipp:] Blau.

[Beide:] Blau.

[Eva:] Und Dunkelgrün.

Und groß. Himmel, Weite, Tiefe, „man könnte darin ertrinken“, warnte DIE ZEIT, man könnte zur Kiemen-Atmung übergehen, empfehlen wir, das Meer ist wüst, aber manchmal ist es still und klar. Ozeanisch könnte man diese Musik nennen oder so, wie ein Wald klingen mag, wenn Caspar David Friedrich ihn malt. Dramatisch und weit ausholend, wer traut sich das denn noch, den großen Gestus des Pop, dieses Seid-Umschlungen, seid es alle.

Es geht in „Wilderness“ ganz offensichtlich nicht um das kleine Glück um die Ecke und nicht ums Drama rund um einen selbst, sondern  —  das Panorama ist kaum größer aufzureißen  —  es geht um das Verhältnis von Mensch und Natur, genauer: um den Einbruch des Menschen in unberührte Natur. Michael Jackson hat dieses Mega-Thema mit seinem „Earth“-Song einmal in Pop übersetzt, seit „Earth“ ist klar, dass man auf dieser Erde eigentlich nur scheitern kann, wollte man es noch einmal versuchen. HUNDREDS nehmen das Thema, sie übersetzen es in Pop, sie scheitern nicht, sie umarmen es.

Ob sie je unberührt war, die Natur? Unerlöst ist sie in jedem Fall. Nur abends, wenn sich die Stille über sie legt und goldener Nebel steiget wunderbar, abends klingt die Frage an, was denn wohl wäre, wenn es stimmte, was der Pop uns verspricht: dass der Löwe neben dem Lamm liegen könnte und das Lamm neben dem Löwen. „Wilderness“ akustisch.


 

Support-Act: JOCO

Ein weiteres Geschwisterpaar als Support: Josepha (Vocals, Drums) und Cosima (Vocals, Piano, Gitarre) aka JOCO. Wunderbar versponnen, schwerelos fließen die Stimmen, das Soundbild malen sie mit eigenen Händen und nur mit ihnen. Eindeutig Indie-Pop, eindeutig einmalig, ihr erstes Album haben sie in den Abbey-Road-Studios eingespielt, in den Abbey-Road-Studios, wo die Beatles und Pink Floyd gearbeitet haben, Produzent war Steve Orchard, der mischt an anderen Tagen McCartney ab und Björk und Coldplay. Das sind denn doch eine Menge Lorbeeren vorab und denn doch vielleicht etwas zu viele. Ihr zweites Album führt jetzt den Beweis, es heißt „Into the Deep“, aufgenommen wurde es in den Abbey-Road-Studios in London, gemischt hat es Steve Orchard, und gibt es noch Fragen, die nicht beantwortet sind?


Datum: 08/12/2017
Uhrzeit: 20:00 Uhr
Ort: Christuskirche Bochum
Stadt: Bochum