Rebekka Bakken | December Nights


Rebekka Bakken by Felix Broede

Wunderbar, wie spröde sie war, als sie sich dagegen wehrte, „die europäische Norah Jones“ zu sein. Andere hätten dieses Etikett mit Kusshand genommen, Rebekka Bakken ist ihre eigene Entität. Showbusiness oder Soulfulness  –  sie singt, was sie ist, sie singt, wie sie sich fühlt, sie sagt:

„Ich möchte immer bis an die Grenzen meiner Musikalität gelangen.“

2003 war die Norwegerin wie eine Erscheinung auf die Konzertbühnen Europas getreten, Julia Hülsmann [ist im Februar solo bei uns!] hatte sie dafür gewonnen, Gedichte von E.E. Cummings zu vertonen, „Scattering Poems“ ist ein phänomenales Album geworden, kurz darauf gab Rebekka Bakken ihr Solo-Debut, auch es war umjubelt, überall. Es folgten weitere sechs Solo-Alben, von ihr komponiert, sowie ein fantastisches Cover-Album mit Songs von Tom Waits. Tom Waits covern? Höchstanspruch! und Höchstanforderung: Falls am Beginn ihrer Karriere noch jugendliche Süße in ihrer Stimme mitgeschwungen hat, beeindruckt sie jetzt mit Souveränität, mit kühler Zurückhaltung und einer vornehmen Herbheit, die technisch höchste Anforderungen an die Stimme stellt. Rebekka Bakkens Konzerte sind Ereignisse.

Die Facetten, die ihre Stimme gewinnen kann, lassen niederknien, sie hat kristalline Kühle, ist eisklar und unerreicht, im nächsten Moment hüllt sie mit Wärme ein. Sie kann erdig sein, folkig und, als sei auch dies die leichteste Übung, rockig röhrend wie am Ring, dann wieder soulig, sanft, lasziv. Sie kann gelassen klingen und entspannt, wenig darauf formt sie die Worte mit Entschiedenheit und Wucht  —  es ist ein weites Panorama der Gefühle, ihre Stimme spannt es über drei Oktaven auf. Und legt es nicht darauf an, Virtuosität auszustellen, sich selber sieht sie auch nicht als Jazz-Sängerin: Sie kam nicht zum Jazz, der Jazz kam zu ihr, und das kam so:

„Obwohl ich viel Pop- und Rockmusik gesungen habe, waren es doch fast immer Jazzmusiker, mit denen ich gespielt habe. Schon als Kind habe ich eigene Stücke geschrieben, und ich erinnere mich noch gut, wie ich mit meiner Schwester zusammen Musik gemacht habe und sie gesagt hat: He, das ist Jazz!“

„The Art Of How To Fall“ hatte sie ihr erstes Solo-Album benannt, es ist ein Titel, der sie selber beschreibt:

„Sich fallen zu lassen, nicht an etwas festzuhalten, nicht zu kontrollieren ist eine große, schöne Kunst“,

sagt sie,

„Du schmeißt dich in die Wellen und hoffst, daß du irgendwo hinkommst. Es ist eine Frage von Vertrauen. Ride the wave and trust. Wenn ich etwas immer und immer wieder machen müsste, hätte ich das Gefühl, dass ich im ersten Versuch nicht ehrlich genug war. Ich habe diese Idee und muss die Konturen fühlen, auch wenn es nicht immer meine Idee ist. Die schönsten Sachen kommen manchmal am einfachsten. Wir sind damit aufgewachsen, dass nur harte Arbeit und Leiden zu etwas führt. Das stimmt für mich nicht, ich musste lernen, der Leichtigkeit im Leben zu vertrauen.“

Jazzecho hat das Phänomen Rebekka B. einmal so beschrieben:

„Sie singt, was sie ist. Und sie ist, was sie singt. Das klingt nach einer Binsenweisheit, ist aber eigentlich eine Grundvoraussetzung: Nur wenn man der Stimme glaubt, die einem da vorsingt, schenkt man ihr Aufmerksamkeit und Bedeutung.“

Was man der Stimme von Rebekka Bakken glaubt: dass es ihre Persönlichkeit ist, die einen so vielschichtigen, diffizilen Klang gewinnt. “December Nights” ist ihr neues Programm mit einem auf die Adventszeit und die wenigen, exklusiven Konzertorte zugeschnittenen Repertoire  —  ein musikalisches Fest in der Vorweihnachtszeit. Begleitet wird Rebekka Bakken von ihrer wunderbaren Band, die kongenial ist, um diese große und wandelbare Stimme zu tragen.


REBEKKA BAKKEN | December Nights

Rebekka Bakken | voc
Jesper Nordenstrøm | p
Ola Gustavsson | guit
Rune Arnesen | perc


Datum: 19/12/2017
Uhrzeit: 20:00 Uhr
Ort: Christuskirche Bochum
Stadt: Bochum