2012/05/16 | Paganfest | Oberhausen Turbinenhalle Paganfest

 

Geschrieben von Ben Gansert

Holt die Streitaxt aus dem Schrank, gebt den Rasierer bei Mutti ab – die Wikinger kommen! Nach extrem erfolgreichen Auflagen in den letzten Jahren war es wieder Zeit für ein Paganfest und in die Turbinenhalle nach Oberhausen schafften es ganze neun Bands, also ab ins Schlachtengetümmel!

Nach kurzer Orientierungsphase durften wir feststellen, dass die Lokalmatadoren Obscurity aus Velbert ihr Set bereits beendet hatten und Kivimetsän Druidi gerade ihr bestes gaben, das Publikum zu begeistern.

Dies klappte aber nur begrenzt, so richtig wollte der symphonische Folk-Metal der Finnen nicht zünden, trotzdem war die Turbinenhalle schon gut gefüllt.

Nur kurze Zeit später durften dann Arafel aus Israel die Bühne entern – auch hier gab es melodischen Folkmetal auf die Ohren, allerdings mit leichter Schwarzmetall-Würze. Ein für viele Besucher bekanntes Gesicht gab es mit

Ex-Equilibirum Sänger Helge Stang zu sehen und er heizte dem Publikum dann auch ordentlich ein, welches weitaus mehr mitging als zuvor. „Helge, Helge“-Chöre waren mehr als einmal zu vernehmen. Aber auch die restliche Band machte ihren

Job mehr als ordentlich.

Mit Heidevolk stand dann für viele auch schon das erste Highlight des Tages an, niederländische Stimmen im Publikum verrieten, dass die Holländer wohl nicht alleine gekommen waren. Aber der frohsinnige Vikingmetal lief scheinbar fast jedem

gut rein, der typische Cleangesang beider Sänger saß perfekt. So war es auch wenig verwunderlich, dass bald ordentlich Bewegung in die Turbinenhalle kam und vom recht jungen Publikum erste „Wall of Death“ angezettelt wurden.

Varg profitierten von der guten Stimmung und man merkte, dass auch sie zahlreiche Anhänger im Publikum hatten. Die schwarz-rot angemalten Wölfe aus Coburg ballerten ihre straffen Songs in die Menge, welche auch nach Klassikern wie „Wolfszeit“ oder „Blutaar“ unersättlich mehr forderte. Eine Zugabe

war trotzdem nicht drin, damit sich der Zeitplan nicht übermäßig verschiebt. Auch hier muss man sagen, dass die Band extrem von dem gut aufgelegten Frontmann lebt, der immer wieder den Kontakt zu den Fans suchte. Die Tapferkeitsmedaille des Tages geht außerdem an den Varg-Schlagzeuger, welcher sich trotz hohem Fieber

hinter die Kessel gesetzt hat, um den Auftritt zu ermöglichen. Daumen hoch!

 

Am frühen Abend wurde es dann Zeit für die Finnen von Moonsorrow, das Publikum mit ihren teils ausladenden Klanggemälden zu beglücken.

Leider scheint die wohl progressivste Band des Tages weniger Anklang als die Vorgänger zu finden – der Saal leert sich merklich. In meinen Augen definitiv zu Unrecht, denn sowohl das ältere Material als auch frisches Material vom gerade erst erschienen Album mit dem griffigen Titel „Varjoina Kuljemme Kuolleiden Maassa“

weiß durchgängig zu begeistern. Andererseits ist es für viele mit Sicherheit auch eine willkommene Abwechslung, sich nicht einer tobenden Meute stellen zu müssen, sondern die reine Kraft der Musik aufzunehmen, um sie dann an geeigneter Stelle direkt durch die Nackenmuskulatur zu entladen.

Nach rund 40 Minuten war der Zauber dann leider auch schon wieder vorbei. Wem die Musik von Moonsorrow gefällt, der sollte unbedingt einen Clubgig der Jungs besuchen, wo sie sich voll entfalten können. Dass sie ihren Epen auch live gerecht werden, haben sie aber auch heute eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

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