2014/12/12 | Carmen Brown | Cafe Kit Düsseldorf

An diesem Freitag Abend regnete es ununterbrochen und eigentlich lud das Wetter nicht dazu ein, dass Haus zu verlassen, wenn da nicht Carmen Brown zu ihrem Heimspiel ins Cafe KIT in Düsseldorf geladen hätte. Und nicht wenige machten sich bei diesem unwirtlichen Wetter zu dieser Party auf. Und keiner hat sein Kommen bereut, daß sei schon mal gesagt.

Kurz vor Acht- Der Soundcheck läuft; Lichterdecko und Merchandising Stand sind fast fertig aufgebaut; das Cafe füllt sich; Carmen begrüßt immer wieder Neuankömmlinge während der Soundchecker den Sound checkt, die Musiker sind oder geben sich relaxt, der Kameramann (das gesamte Konzert wurde filmisch festgehalten) positioniert seine Kamera und der Getränkelieferant hat immer mehr Schwierigkeiten, das sich vermehrende Volk mit Getränke zu beliefern.

Halb Neun- Carmen hat sich zwischenzeitlich bühnetechnisch umgestylt; der grüne Nagellack ist noch nicht trocken, trotzdem mischt sie sich unters Volk um mit so vielen Menschen wie möglich noch einen kleinen Smalltalk zu halten

Viertel vor neun- der Nagellack ist immer noch nicht trocken, dennoch wird es gleich losgehen; Carmen gestand mir, dass sie doch recht großes Lampenfieber habe, da dieser Abend in ihrer Wahlheimatstadt für sie doch etwas ganz Besonderes ist.

10 vor neun- es geht los, die Bude ist rappelvoll und Carmen und ihre Band (Moussa Dialo:Percussion, Rolf Springer: Gitarre, David Nesselhauf:Bass, Lucas Kochbeck:Drums, N.N: Akkordeon, wobei Carmen noch die Kürbisrassel ,ein Xylophone, einen minisynthie und die mbira -afrikanisches Handklavier- bediente) bringen das Publikum gleich mit dem ersten Stück „Afrobeat“ in Schwingungen. Von wegen Lampenfieber. Funkyfever eher.

Funky Stimmung vom Start weg. In vielen Kommentaren und Beschreibungen der Person Carmen Brown gibt es immer wieder zu lesen, dass sie voller Gegensätze sei, hin und hergerissen zwischen zwei Welten- Afrika im Blut und Europa im Kopf, dass sie versucht, diesen kulturellen Zwiespalt in ihrer Musik auszudrücken. Zwiespalt? Gegensätze? Hin und hergerissen? Carmen Brown ist Carmen Brown. Eine funky liebenswerte, sympathische und begeisternde Lady mit jeder Menge Soul und Leidenschaft auf und außerhalb der Bühne. Sie mischt traditionelle rhythmusbetonte afrikanische Klänge unter Einsatz von afrikanischen Musikinstrumenten mit klassischen westlichen Pop/Jazz/Soul/Funk und Rockelementen und läßt sich schwerlich in eine musikalische Schublade ablegen. Und das ist auch gut so. Diese, nennen wir es einfach wunderbare Symbiose zweier musikalischer Pole, ist simpel gesagt: Hinreißend und absolut tanzbar. Auch Bewegungslegastehniker können sich dem Wunsch, hier mitzuschwingen nicht erwehren, so dass bald der gesamte Saal funkydancing unterwegs war und der Getränkelieferant nicht um seinen Job zu beneiden war. (Spass hatte er aber auch)

Carmens Performance ist leidenschaftlich, herzlich, authentisch und mitreißend. Sie sucht und findet immer den Kontakt zu ihrem Publikum. Schön, dass diese Interaktionen von beiden Seiten durch Wärme und Herzlichkeit geprägt sind. Jedoch soll nicht unerwähnt bleiben, dass Carmens Texte nicht nur von Liebe, Glück und Leidenschaft handeln, sondern durchaus auch weltkritische und traurige Inhalte haben.

Kurz vor elf war dann die Party vorüber. Der Sound war erstklassig, die Band überzeugte als eingespielte und sich ergänzende Einheit, das Publikum erschöpft und glücklich und Carmen, tja Carmen strahlte und das zurecht. Ein tolles Konzert. Einzelne Songs wie „Raise your Soul „oder „Revolution“ hervorzuheben würde diesem Gesamterlebnis nicht gerecht werden. Konzerte von Carmen Brown bestehen nicht aus der Aneinanderreihung einzelner Songs. Vielmehr wird das Publikum in der von der Bühne ausgehenden Performance mit eingebunden und kann sich voll und ganz diesem treibenden musikalischen Genuß hingeben.

Halb Zwölf-bin unterwegs zum Parkhaus- es regnet immer noch, aber wen störts?!