2009/02/26 | Mitch Ryder & Engerling | Schwarzer Adler Rheinberg

Geschrieben von: Peter Altenkirch

Wir schreiben den 26.02.2009 und heute ist der 64. Geburtstag von William S. Levise, Jr., besser bekannt als Mitch Ryder. Mitch ist mit seinen Engerling(en) wieder auf Tour. Wie jedes Jahr und auch diesmal kehrt er wieder im Schwarzer Adler in Rheinberg ein. Kurz vor 20.00 Uhr- während sich in der Kneipe/Restaurant noch einige Leute  an Heringsstipp mit Bratkartoffeln labten und im Raucherzimmer hemmungslos der Nikotingenuss zelebriert wurde, füllte sich allmählich der rauchfreie schnukelige Saal.
20.10 Uhr, fast überpünktlich, betraten Engerling vorsichtig ( der Bühneneingang ist nur ca. 1,60m hoch) die Bühne. Nach einigen Takten tauchte Mitch bereits ebenfalls auf und eröffnete mit „Long Hard Road“ den Abend. Es dauerte einige Sekunden, bis der Sound richtig eingestellt war aber dann konnte man der immer noch kraftvollen Stimme von Mitch Respekt zollen. Trotz, oder vielleicht wegen der vielen in den letzten Jahren erforderlichen Reparaturarbeiten an seinem Körper, (neue Hüfte, neue Zähne, alkoholfreies Wasser), wirkte Mitch fit, entspannt, souverän und hatte offenbar auch Spass an der Sache. (Ich hatte ihn auch schon mal anders erlebt). Auch ein merkwürdiges Ereignis an diesem Abend brachte ihn nicht aus der Ruhe, sondern er nahm die Situation mit Humor und Understatement.
Zwischen den Stücken „Red Scar Eyes“ und „Thank You Mama“ wurde er von einem zugeparkten Gaststättenbesucher gebeten, den Fahrer des Wagens (aus datenschutztechnischen Gründen dürfen wir an dieser Stelle den Falschparker nicht nennen 😉 doch sein Auto zu entfernen. Mitch tat ihm den Gefallen und amüsierte sich noch dabei. Toll!
Obwohl man nicht erkennen konnte, ob Mitch hinter seiner dunkel getönten Brille nun die Augen geschlossen hatte oder nicht, verlor er niemals den Überblick.
Seine sparsam eingesetzten Gesten und Bewegungen trafen immer genau den Punkt. Er ließ an diesem Abend keinen Zweifel daran aufkommen, dass „Aint Nobody White Can Sing The Blues“ nach wie vor Gültigkeit hat. Als ob dieser Vortrag nicht Beweis genug gewesen wäre, ließ er mit der anschließenden Darbietung seiner Version von Bobby Blands „All the Fools It Sees“ seiner Soulröhre freien Lauf, die auch von einem Bobby Bland als ernst zu nehmende Konkurrenz interpretiert werden müsste. An dieser Stelle ein großes Lob auch an Gisbert Piatkowski, der mit seinem Gitarrenspiel dieses Stück veredelte. Engerling ist sowieso ein Glücksgriff für Mitch, denke ich.
Die Jungs, mit Ausnahme des neuen Drummers, spielen schon seit Jahrzehnten zusammen, und wissen genau, worauf es ankommt. Die Gitarrenharmonien zwischen Gisbert und Heiner Witte sind exakt aufeinander eingestimmt und eingespielt. Boddy Boday zeigte an diesem Abend nicht nur sein Können am Keyboard, nein, er unterstrich auch seine Fähigkeit an der Mundharmonika. Der Neue am Schlagwerk (Name ist mir entfallen) und Manne Pokrandt am Bass treiben den Beat voran.
Kleine Kritikpunkte seien mir jedoch gestattet: Bei „Gimmie Shelter“ fand ich, das einiges etwas schwammig rüberkam und Mitch die eine oder andere Textpassage nicht so richtig singen wollte. Sei’s drum, wir wissen ja alle worum es in diesem Stück geht. Bei „Take Me To The River“ erschienen mir die Gitarren nicht korrekt eingestimmt. Aber das ist nur meine Meinung. Ein mehr als gelungener Abend, der mit Soul Kitchen (we have to go – now) nach über 2 Stunden beendet wurde. Vielen Dank Mitch.