2010/12/29 | Pee Wee Bluesgang & Delta Boys | Musiktheater Piano Dortmund

Geschrieben von: Peter Altenkirch

Sie sind wieder da!!!

Endlich, die Pee Wees sind wieder unterwegs . Richard Hagel und sein Kompangon Thomas Hesse hatten nach einer über einjährigen Schaffenspause vor ein paar Monaten eingesehen, dass die Welt ohne die Pee Wee Bluesgang doch um einiges an Reiz verloren hat und es nunmehr an der Zeit ist, ihre seit über 3 Jahrzehnten andauernde Rhythm&BluesSoulRockShow fortzuführen. Das ist gut für die Band – und dass ist gut für alle, die die Pee Wees live erleben dürfen.

Im April diesen Jahres hatten die Pee Wees ihr Warm Up Konzert in Essen. Im Mai/Juni wollten sie dann mit ihrer neuen Band wieder durchstarten. Leider hat dem Richard die lange Bühnenabstinenz nicht gut getan, so dass die Medizinmänner ihm eine mehrwöchige Erholungspause verordneten, bevor es dann mit den nächsten 3 Jahrzehnten „on the road“ weiter gehen kann.

Kurz vor dem Jahreswechsel wurde das treue Publikum im Piano, welches sich weder durch Straßenglätte und Schneemassen daran hindern ließ , hier zu erscheinen, mit einem tollen Auftritt der Pee Wees belohnt. Hierzu später mehr.

Gegen 19.50Uhr betraten die Herren Michael van Merwyk, Gitarre und Gesang, und Gerd Gorke, Mundhamonika und Gesang, die noch weihnachtlich geschmückte Bühne, gaben sich als die Delta Boys zu erkennen und verzückten das Publikum sodann mit ihren Interpretationen verschiedener Blues und Countryklassiker sowie auch eigenen Reimen. Die beiden Latzhosentragenden Kleidungstrendsetter haben es drauf. Michaels Gitarrenspiel und Gesang geht sofort unter die Haut. Sein Delta Kollege Gerd, der ein Dutzend Mundharmonikas um den Bauch gebunden und noch ein weiteres halbes Dutzend auf der Bühne verteilt hatte, bestach ebenfalls durch seinen ausdrucksstarken Gesang und seinem facettenreichen Harpspiel. Respekt. Das von der Weihnachtsgans noch etwas geschwächte Publikum benötigte einige Zeit, bis es dann die Leistung der beiden Boys dann auch lautstark würdigte. Jihaa. Mit einer gelungen Interaktion mit dem Publikum von „ring of fire“ verabschiedeten sich die beiden dann gegen 20.30Uhr und machten die Bühne für die Pee Wee Bluesgang frei .Hier noch einmal zum Mitsingen:

I Fell Into A Burning Ring Of Fire
I Went Down, Down, Down
And The Flames Went Higher
And It Burns, Burns, Burns
The Ring Of Fire
The Ring Of Fire

Kurz vor 21.00Uhr betrat dann die Pee Wee Bluesgang in ihrer neuen Besetzung die Bühne:

Richard Hagel Vocals
Thomas Hesse Gitarre
Karlos Boes Saxophone
Martin Siehoff Drums

und die Neuen
Nicolas Kozuschek am Keyboard
und Andreas Müller am Bass

Die Pee Wees starteten fulminat mit „Make my day“ aus ihrem aktuellen Longplayer „Back on the Road again“ dessen Titel durchaus als Programm zu verstehen ist.

Wow. Gleich von Anfang an bewies Richard, dass er trotz Zwangspause nach wie vor einer der besten Liveperformer ist, der uns den Blues und Soul mittels seines charismatischen Auftretens und seiner heißen Stimme näher bringt. Es folgten „Fall in Love“ und „What´s about Love“, gefolgt von dem Klassiker „California“, welcher gefühlvoll zurückhaltend begann und dann von Karlos Boes Sax angetrieben sich zu einem gewaltigen Soundwall aufbaute. Zu „German R.R. Band“ schnallte sich Thomas ein giftgrünes Saiteninstrument um, stülpte sich den Bottleneck auf den kleinen Finger und gab uns ein slidegitarrenfest vom Allerfeinsten.

Zwischendurch hatte es Martin geschafft, eines seiner Hänge Toms dermaßen zu bearbeiten, dass es repariert werden musste. Thomas und Richard erzählten derweil gelassen Geschichten aus ihrer gemeinsamen Vergangenheit. Auch die gesundheitlichen Probleme von Richard waren kein Tabuthema. Die Zwangsumbaupause nutzte Thomas auch dazu, Bier auf die Bühne zu ordern. Das beruhigte mich doch ungemein, ich hatte schon Angst, dass Thomas krank sei.

Nach 5 Minuten ging es dann mit „I´m crazy about you“ weiter. Der Höhepunkt des Abends war für mich das folgende „You can´t kill me twice“. Thomas hat sich hier selbst übertroffen. Sein Gitarrensolo war einfach umwerfend. Seine Gitarrenarbeit und Solos kann man eigentlich nicht oft genug loben, aber das hier haute einen um. Toll. Man sollte aber nicht vergessen, dass nur durch das hervorragende Zusammenspiel der Band es möglich ist, ihm derartige Freiräume für solche zauberhaften Solos zu schaffen. An dieser Stelle, ohne die Leistung der anderen schmälern zu wollen, sollte auch ein großes Lob an Andreas Müller am Bass ergehen. Obwohl er erst seit ein paar Wochen mit den Jungs zusammen arbeitet und in allen möglich Projekten von Jazz über Reggae bis hin zur Weltmusik unterwegs ist, scheint er sich mühelos bei den Pee Wees integriert zu haben und bereichert die Pee Wee Bluesgang durch sein druckvolles und facettenreiches Spiel. Das trifft auch auf den neuen Tastenmann Nico zu. Sein Solo in „ Tikki Bar“ war wirklich herausragend.

Es folgten „You give a little smile“, der „Pee Wee Shuffle, „Tikki Bar“, „Slow Blues“ „Sweet Blue Angel“ bevor dann nach einem ca 5 minütigem Einführungsinstrumental, welches stark an „Welcome to the Machine“ von Pink Floyd erinnerte, ein Hochgeschwindigkeits „Hey Joe“ über das Publikum hinwegfetzte. Mann o Mann, das raubte einem schon den Atem. Frenetischer Beifall. Als Zugabe spielten die Pee Wees noch „24 Hours“ und „When the game is over“. Wie passend.

Die Pee Wee Bluesgang als Six Pack sind eine musikalische Wucht. Ich freue mich auf das Jahr 2011 , in dem die Pee Wees weiter Gas geben werden.