2017/10/18 | Fischer Z | Lichtburg Essen

Review: Peter Altenkirch

Fischer Z in der altehrwürdigen Lichtburg.

Ein angemessener Rahmen anlässlich des 40jährigen Bandjubiläums und Veröffentlichung des 20. Studio Albums  Building Bridges.

Kurz nach 8, es ist dunkel im Saal, die Spannung steigt, und dann erscheint Mastermind John, lediglich in Begleitung seiner Gitarre und seines Freundes Peter Nagelschmidt, der ihn mithilfe einer Taschenlampe den Weg in die Mitte des Saales zu einem einsamen Mikro weist. Die Leute springen auf und John intoniert lässig und locker das romantische Angels of Gardenia. Was für ein schöner Auftakt. Nach und nach steigt die Band ein, John entert die Bühne und genießt sichtlich den tosenden Applaus. Nachdem er sich artig bedankt hatte, erzählte er mit unverkennbaren britischen Humor, dass man sich doch hüten sollte, in die Nähe von Hippos (Flusspferde) zu gelangen, da diese Treffen meistens tödlich enden. Sodann schmetterte die Band ein fulminantens Room Service in den Raum , so dass sich einige Besucher gezwungen sahen, ihre bequeme Sitze zu verlassen um sich stattdessen den treibenden  Rhythmen ganzkörperlich zu widmen. Sehr schön. Mir haben jedoch die eingespielten Nachhallgesangseffekte nicht so gefallen. Aber das hatte sicherlich nostalgische Gründe. Auf jeden Fall fand es John auch gut, dass aus dem Auditorium „some noise“ zu vernehmen war.

Es folgte das poppige und eingängige „So Close“ aus dem neuem Album. Schönes Stück, welches sich auch nicht hinter den bekannteren Klassikern verstecken muss.  Zwei davon folgten zugleich mit The Worker und Battalions of Strangers.  Die rhythmischen Bewegungen nahmen zu.  Damascus Disco lädt mit seinen treibenden Gitarren und groovenden Rhythmus ebenfalls zum tanzen ein, jedoch zeigt John wieder einmal, dass er immer noch ein politisch engagierter Mensch ist und er sich die Themen dieser Welt nach wie vor zur Brust nimmt. Lest bitte hierzu diesen Textauszug:

Unlucky people lose their heads
Little children bombed out of beds
Familiar beaches are killing fields
Human traffic across the world

From Damascus to Baghdad
Liberation has gone bad
No grand solutions no place to hide
The banks are broken can’t stem the tide

If we build bridges
With love hey hey
It might be enough
When you fight monsters you know hey hey
You become monsters too

Eine klare Botschaft.

Jedoch taten diese bitterbösen Zeilen der guten Laune keinen Abbruch und mit Songs wie  So Long, Red Skies over Paradies, dem genialen Pretty Paracetamol oder One Voice steuerte  der 1. Set dieses Abends auf den Abschlusshöhepunkt zu. Bei Marliese war die Lichtburg außer Rand und Band. Kollektive Begeisterung und ansteckende Fröhlichkeit erfüllte das alte Theater.

Nach einigen Minuten Verschnaufspause kehrten die Jungs zurück und ließen mit Berlin weitere klasische Fischer Z Momente aufleuchten, gefolgt vom nachdenklichen und etwas traurigem Perfect Day . Im 2. Setabschnitt hatte ich das Gefühl, dass die Songs etwas müde dahinplätscherten, wurde aber zum Schluss wieder mit In England und Will you be there begeistert mitgerissen.

Zum Schluss erlaube ich mir einfach Johns verbale und musikalische Botschaft wie folgt und soweit möglich zu zitieren bzw. zu deuten:

An alle Autokraten, Geldanbeter, Extremisten, Nazis, Terroristen, Religionseiferer und sonstige Arten  von Unmenschen –  auf diesem geschändeten Planeten sollte sich alles um Frieden, Liebe, Toleranz, Respekt und  Empathie drehen. Das ist das Maß der Dinge. Alles andere ist Bullshit und Zeitverschwendung.