2017/10/30 | Sari Schorr & The Engine Room | Gdanska Oberhausen

Review: Peter Altenkirch

Die aktuelle CD von Sari Schorr & The Engine Room heißt „A Force of Nature“. Und das trifft voll und ganz auf Sari und ihre Mannen zu. Eine Naturgewalt on Stage. Sagenhaft. Anfangs murrten ein paar Konzertbesucher ein wenig rum, da sich der Auftritt etwas verzögerte, aber schon nach den ersten Klängen des groovigen Opener Ain´t got no money war jeglicher Unmut verflogen. Saris gewaltige Rockröhre riss alle von den Sitzen. Aber Sari kann mehr, als nur ihr sensationelles Stimmvolumen rockig zu präsentieren. Ob es nun die Eigenkompositionen des „A Force of Nature“ Albums,  oder ihre Interpretationen der auch heute Abend dargebotenen Coverversionen sind, Sari vermag es, die unterschiedlichen Facetten eines jeden Songs mit ihrer stimmlichen Tiefe und Vielfalt auf den Punkt genau zu interpretieren.  Was für ein Feeling. Was für eine Power. Überwältigend. Im 2. Song des Abends Demolition Man konnte sie das Volk davon überzeugen, dass man wundervoll sexy swing Gesang mit  brüllenden Rockrhythmen vereinen kann. Das folgende angefunkte Cat and Mouse wurde zum Dahinschmelzen soulig präsentiert.

Dann kam die erste Coverversion. Und was für eine. Where did you sleep last Night. Ein gewaltiges Stück Musikgeschichte, an denen sich  über die Jahrzehnte hinweg unzählige Musiker versucht haben. Neben so genialen Versionen wie von  Nirvana gibt es auch so Merkwürdigkeiten wie der Versuch von Pernell Roberts (das ist der Adam Cartwright aus Bonanza)  sich hier gesanglich darzustellen. Aber das nur nebenbei.

Die Interpretation von Sari und ihrer Band war gelinde gesagt zum hinknien. Hier kam alles zusammen. Schmerz, Angst, Verzweiflung, Hoffnung und die Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit. Wer nach dieser Performance keine Gänsehaut hatte, sollte sich mal ärztlich untersuchen lassen. Aber, keine Zeit zum Luftholen. Schon knallte uns die Band, angeführt von Innes, das krachende Rock and Roll  um die Ohren. Yeah – zurück in die Siebziger – Headbanging und Luftgitarre waren angesagt.

An dieser Stelle wird es Zeit, auch der Band ein großes Lob auszusprechen. Innes, der nicht nur bei dieser Led Zep Nummer seine überbordende Spielfreude enthusiastisch darstellte und die Bühne rockte, nein, auch, oder gerade bei den langsameren Passagen  brillierte er mit  gefühlvollen und excellenten Solis. Ein Großer seiner Zunft. Ihm zur Seite oder besser gesagt, am Schlagwerkzeug, sein alter Kumpel Kevin O´Rourke der  glänzend, wuchtig und punktgenau mit dem anderen Kevin Jeferies am Bass die Richtung vorgab. Kevins Bass machte schon einen ziemlich abgenutzten Eindruck, war aber mit Stahlsaiten bespannt, die entfernt an Stahlseile erinnerten, mit denen  Großfrachterschiffe im Hafen vertäut wurden. Anders Olinder an den Keys, der schweigsame Schwede (könnte man sagen), der etwas verschlafen wirkte, gab dem Ganzen mit seinen einfühlsamen E-Piano und Orgelklängen die passende Intensität.

Mit Stormy Monday präsentierte die Band wiederum einen Meilenstein der Musikgeschichte, welcher in der Interpretation von Sari und ihren Jungs in einem neuen, glänzenden Licht erstrahlt. Das ist Saris Lied, sie streichelte jede Silbe mit ungewöhnlicher Hingabe und Emotionaltät; Anders erhält Zeit ein gefühlvolles und intensives Solo beizusteuern, bevor Axtmann Innes wieder übernahm und die Saiten krachen ließ. Wow. Dann wurde es etwas poppiger. Oklahoma und die Aufforderung zum Kiss me ließen die ein oder andere Hüfte mitschwingen. I Just want make Love to You sowie das Work no more standen wieder voll und Ganz im Zeichen des Blues.

Mit Ordinary Life , welches Sari in Deutschland komponierte, öffnete sie uns ihr Herz und ließ uns an den emotionalen Höhen und Tiefen des menschlichen Seins teilhaben. Zum Heulen schön.

Zum Schluss haute die Band mit Aunt Hazel noch einmal eine knallige RockBluesBoogie Nummer vom Feinsten raus. Fantastisch. Aber es war noch nicht Schluss. Natürlich kam das Volk noch in den Genuss des alten Gassenhauers  Black Betty , den Sari, Innes und Co. total umgekrempelt und einen neuen Drive verliehen haben.

Ein unvergessliches Konzert.

Nach dem Konzert hatte ich das große Vergnügen und Ehre mit Sari ein Interview zu führen, welches fotografisch von Marc Mennigmann und filmisch von Sarah M Bande dokumentiert wurde. Dieses gilt es aber noch niederzuschreiben.

Großen Dank an Marc Mennigmann, Robert Widera und Adam Glagla für die der Revier-Mucke zur Verfügung gestellten Fotos.