2018/02/06 | Go Music | Gdanska Oberhausen

Bericht: Peter Altenkirch

Es ist der 1. Dienstag im Monat und natürlich ist es Go Music Zeit im Gdanska. Wie immer bei Go Music ist der Saal wieder proppenvoll. Die Besucher sind gut gelaunt und voller froher Erwartung ob des  anstehenden Musikereignisses. Martin Engelien hat wieder mal illustre Musiker um sich scharen können, die schon mit vielen vielen Weltstars unterwegs waren und nach wie vor sind.

Martin Gerschwitz – Geboren in Solingen und 1985 in die USA ausgewandert ist ein begehrter Keyboardspieler und Sänger in Bands und Classic Rock Projekten wie Meat Loaf, Vanilla Fudge, Eric Burdon & The New Animals. Martin spielte 4 Alben mit Eric Burdon ein. Seit 2005 ist er Leadsänger und Keyboarder der legendären Psychodelic Rock Band Iron Butterfly.

Glen Turner (Who, Returners)-Der sympatische Gitarrist und Sänger Glen Turner aus Sheffield ist ein früher Wegbegleiter der ersten Joe Cocker Band „The Reflections“, in der er schon mit 16 Jahren mitwirkte. Später führte ihn sein Weg zu Musical „Tommy“ von THE WHO, in dem er neben Pete Townshend die zweite Gitarre spielte. Nach einem längeren Aufenthalt mit unzähligen Produktionen in Nashville kam Glen Turner nach Deutschland (u.a. auch Zusammenarbeit mit Größen wie Vangelis, Chris Stainton, Pete Haycock, Kim Fowley). Seit einigen Jahren lebt Glen Turner in Frankfurt, war lange Jahre der „John Lennon“ der offiziellen deutschen Beatles Revival und unterrichtet Bluesgitarre in Aschaffenburg.

Wolfgang Roggenkamp– begann mit sieben Jahren Schlagzeug zu spielen. Mit 16 war er bereits professionell unterwegs. Seitdem spielt und spielte er unterschiedlichste Stilistiken mit unterschiedlichen Musikern wie Stan Webb, Luther Allison, Nippy Nora, Prince Robinson, Kenny Wheeler, Ben Becker, Helmut Hattler, Pete York, Allen Blairman, Johnny Rodgers, Gregor Hilden und Jan Akkerman, um nur einige zu nennen. Wolfgang studierte Klassische Musik, Jazz & Rock Drums an der Folkwanghochschule in Essen. Von 1996 – 1997 studierte er am renommierten Berklee College Of Music in Boston.

Kurz nach acht ging die Party los. Gestartet wurde mit einem jazzrockmäßig angehauchten ambionierten Instrumentalstück, welches schon mal einen ersten hervorragenden Eindruck hinsichtlich der musikalischen Qualitäten der Musiker hinterließ. Martin stellte wie immer nonchalant die Truppe vor und ab ging die Post. Ob Nr. 1 Welthits That´s the way it is von Bruce Hornsby , Do it again von Steely Dan oder das zum Abschluss zelebrierte  A whiter shade of Pail  von Procul Harum , die Interpretationen erfolgten in, so wie Martin vorher erklärte, einer  „unvorherhörbaren“ Art und Weise. Und das stimmte. Es machte riesigen Spass diese Truppe live erleben zu dürfen. Obwohl die Band in dieser Konstellation erst zum zweiten mal zusammen spielten, herrschte ein quasi blindes Verständniss untereinander. Jeder hatte Zeit, Raum und Lust seine besonderen Fähigkeiten freien Lauf zu lassen, wobei das Zusammenspiel mehr als harmonisch zu bezeichnen ist. Aber manchmal mussten die zwei Martins und Glen doch über das künstlerische Ausmass der Schlagzeugarbeit von Wolfgang schmunzeln. Wolfgang an den Fellen ist ein Augen-und Hörspass erster Güte. Er bearbeitete seine Schießbude mit einer solchen Hingabe und ausdrucksstarken Mimik, die das Publikum begeisterte. Selbst ausgefallenste Spieltechniken sind ihm nicht fremd, bzw. hat er sogar erfunden. So legte er z.B. einen Stick quer über seinen Kehlkopf um mit den anderen Stick diesen zu bearbeiten und snaremäßig rhythmische Töne zu erzeugen. Toll. Nach dem Konzert fragte ich ihn, wie man diese Technik nennt. Er antworte: SCHMERZ , lachte aber dabei.

Ein Höhepunkt des Abends war natürlich das sagenhafte In a gadda da vida . Hierzu hatte Martin G auch noch eine schöne Story zu erzählen. Wie jeder weiß, wird der Song von einem nicht unkurzem Schlagzeugsolo getragen. Während eines Auftritts in der Schweiz begab es sich dann, dass zu Beginn des Solos die anderen Musiker die Bühne verließen, um sich in der Garderobe  mit Bier und Jägermeister zu stärken. Da die Garderobe aber ziemlich schalldicht war und keine Geräusche aus dem Saal zu hören waren, vergaßen die Jungs, dass sie ihre Arbeit eigentlich nur kurzfristig unterbrechen wollten. Nach zwei drei Drinks erinnerten sie sich aber wieder an ihre eigentliche Aufgaben, eilten auf die Bühne zurück und brachten unter todesverachtenden Blicken ihres  schweißgebadeten Schlagzeugers den Song  zu Ende. Der Schweizerische Veranstalter hatte auf seiner Rolex die Zeit gestoppt und war ganz verzückt darüber, dass In a gadda da vida eine Spielzeit von über 34 Minuten hat. Er wurde nicht aufgeklärt.

Vielen Dank an Martin E , Glen, Wolfgang und Martin G für diesen tollen Abend.