2018/12/29 | Pee Wee Bluesgang | Musiktheater Piano Dortmund

Bericht: Peter Altenkirch

Der Mensch ist wie ein guter Wein – er reift mit den Jahren und wird immer wertvoller.
Dies schrieb vor einiger Zeit die Autorin  und Lyrikerin Annette Andersen nieder. Ob Frau Andersen je ein Konzert der Pee Wee Bluesgang live erlebt hat, weiß ich nicht . Aber der Spruch trifft  auf die dienstälteste BluesRockband Deutschlands mit ihren Mannen:

Richard Hagel Gesang/Maracas( welche übrigens von Phil May – The Pretty Things – signiert sind)

Thomas Hesse Gitarre/Gesang

Andreas Müller Bass und

Martin Siehoff Drums/Percussion

voll und ganz zu.

Die seit einigen Jahren in gewohnter Regelmäßigkeit zwischen Weihnachten und Silvester stattfindenden Auftritte  der Pee Wees im Musiktheater Piano haben inzwischen schon Kultstatus erreicht. So war es dann auch nicht verwunderlich, dass das Theater mit alten und neuen Fans gut gefüllt war, die  mit den Pee Wees diesen exklusiven 3. Weihnachtsfeiertag im Piano feierten. 40 Bluesful Years war das Motto des Abends und Titel des aktuellen Longplayers, dessen Cover die Band auf der Piano Bühne bei ihrem Auftritt im letzten Jahr zeigt. Die Scheibe (Vinyl und CD ) ist offiziell erst Mitte Januar 2019 im Handel, konnte aber hier bereits erworben werden und war in der Vinylversion schon vor der Pause ausverkauft.

20.30Uhr. Gut gelaunt begrüßte Richard das Publikum und bat um Verständnis dafür, dass das Konzert etwas später als gewohnt startete, da er die Wirkung der ihm von seinem Kardiologen verabreichte Pille erst abwarten musste. Aber dann ging die Post auch schon ab. Martin und Andreas gestalteten mit außergewöhnlichen und kraftvollen  Rhythmusfolgen das Intro zum  Opener I´m going down, welches dann das Publikum  auch gleich mitriss.  Mit dem nicht minder schnellen und druckvollen Pee Wee Shuffle ging es weiter. Leider hatte Thomas etwas Probleme mit seinem Pedalboard bzw. einem Effektgerät, welches ihm nicht so recht gehorchen wollte. Das schadete der guten Laune auf und vor der Bühne aber in keinster Weise. Souverän wurden die kleinen „Aussetzer“ von der Band gemeistert. Wie immer bei den Gigs der Pee Wee Bluesgang wird mit dem Publikum gescherzt und kommuniziert. Schließlich kennen sich Band und Fans schon seit vielen Jahren. Richard garniert seine Songansagen oft mit netten kleinen, manchmal skurrilen Geschichten, welche vom Thomas entsprechend witzig bewertet werden, so dass sich die beiden nicht nur musikalisch die Bälle gekonnt zuspielten. Verbaltechnisch  hielten sich Andreas und Martin zurück. Sie kommunizierten anders. Andreas Basspräsenz ist überragend. Überaus variantenreich und phantasievoll bildete  er mit Martin an den Fellen das groovige Fundament. Hier passte alles. Natürlich brillierte Thomas mit seiner excellenten Gitarrenarbeit und ließ einen immer wieder staunen, wenn er sich zu waghalsigen Solis hinreißen ließ. Natürlich steht Richard mit seiner charismatischen Bühnenperformance als Sänger, Shouter, Charmeur (Sexsymbol?) an vorderster Front und im Blickpunkt. Aber für  das Gesamterlebnis Pee Wee Bluesgang tragen die beiden Groovebrother einen nicht hoch genug zu lobenden Beitrag bei.

Die Pee Wees teilten an diesem Abend das Konzert in 2 Sets.

Der 1. Set dauerte genau 54 Minuten, beinhaltete 8 Songs,  umfasste ein musikalisches Spektrum von Powerbluesrock über Klassikblues,Whats love about/Every Day I have the Blues und Make my Day , sowie  ihres mit viel Gefühl und zarter Gitarre gespielten Überhits California bis hin zu Klassiker im neuen Gewand, wie Sunshine of your Love und Dust my Broom.

Der 2. Set dauerte 1Stunde 15 Minuten. Dieser startete mit dem bekannten Key to the Highway, gefolgt von Saturday Night, aus der Feder von Thomas Hesse , der es sich nicht nehmen ließ, diesen Song auch gesanglich vorzutragen.(Der Kerl kann nicht nur genial  Gitarre spielen und tolle Lieder komponieren) Bei Too much Soul zeigte Richard wieder einmal , dass er nach wie vor seine heiße Stimme über mehrere Oktaven jagen kann. Viel Gefühl lag auch im Slow Blues und Crossroad. Tikki Bar startete wie üblich mit einer Erklärung seitens Richard, dass dieser Song Reminiszenen aus  alten (guten, bewusstseinserweiterten) Zeiten enthält und Martin und Andreas die Gelegenheit bot, einen feinen Soli/Rhyhtmusteppich zu präsentieren. Mein Favorit an diesem Abend war das folgende You can´t kill me. Ein Knallersong, mit einer unglaublichen Energie und Wucht vorgetragen, dass einem die Luft wegblieb. Mann o Mann. Hey Joe gehört zum Standardinventar der Pee Wee Bluesgang Setlist. Thomas zelebrierte zunächst ein, sagen wir mal psychedelisches Intro, bevor die Band mit diesem Klassiker das Publikum erfreute. Als Zugabe gab es dann  noch die Haufdraufnummer 24 Hour

Ein tolles Konzert. Eigentlich wie immer.