2018/03/18| Estas Tonne | Lichtburg Essen

Bericht: Peter Altenkirch

Vorab mal ein großes Dankeschön an Semmel Concerts die es ermöglichten, dass der weltreisende Gitarrenvirtouse/Troubadour Estas Tonne in der altehrwürdigen Lichtburg in Essen sein Publikum, mit dem „Essential Sounds of the Universe“ verzaubern konnte.

Estas Tonne, 1975 in der Ukraine geboren, 1986 nach Israel übergesiedelt und seit rund 17 Jahren in der Welt unterwegs, begann im zarten Alter von 6 mit dem Gitarrenspiel, startete als Strassenmusikant und erfreut sich einer weltweit stetig wachsenden Fangemeinde . Das Gitarrenspiel von Estas Tonne ist eine Fusion aus klassischer Gitarre , Flamenco-Technik gepaart mit Gypsy Musik und lateinamerikanischen und elektronischen Klanglandschaften, welche eine durchaus meditativen Charakter aufweisen. Estas verfügt über eine bemerkenswerte Fingerpickingtechnik, mit der er verschiedene Stimmen gleichzeitig  spielen kann.

Im September 2011 spielte er ua beim Stadtspektakel in Landsberg. Sein Werk „The Song of the Golden Dragon“ wurde hier videomäßig festgehalten, 2012 auf Youtube eingestellt und seitdem bereits über 60Millionen mal angeklickt.  Schaut bitte auch hier : https://youtu.be/7gphiFVVtUI

20.00Uhr , die gut gefüllte Lichtburg wurde langsam abgedunkelt, das bescheiden anmutende, aus drei Gitarren, einem Mikrofonständer und  einem Stuhl bestehende Equipment, wirkte etwas verloren auf der großen Bühne als der Meister erschien, unprätentiös Platz nahm und mit leiser Stimme, fast flüsternd, das Publikum begrüßte und – etwas umständlich – erklärte, dass wir uns alle gemeinsam auf einer Reise befinden, dessen Ursprung und Ziel  das eigene Bewusstsein sein sollte oder ist.. Da ich leider nicht alles akustisch (die Begrüßung war wirklich sehr leise)  verstanden habe, bitte ich die eventuelle fehlerhafte Übersetzung und Interpretation zu entschuldigen.

Was dann folgte, ist mit einfachen Worten kaum zu beschreiben. Zunächst entzündete Estas ein Räucherstäbchen, befestigte dieses, nachdem er ein wenig Rauch auf der Bühne verteilte , am Capo d´astro seiner Gitarre und entführte uns dann in eine mystische spirituelle Welt voller zauberhafter Magie, die einem das Herz erwärmte und die Seele durchs unendliche Universum wandern ließ.

Was für ein Genuss!  Mit Leidenschaft und Energie  nahm Estas uns mit auf eine musikalisch endlose Reise durch Höhen und Tiefen des menschlichen Bewusstseins. Sein wunderbares virtuoses Gitarrenspiel, mit denen er die unterschiedlichsten Stimmungen und Schwingungen erzeugte, wirkte  berauschend und hypnotisierend zugleich. Eingespielte kleinere  elektronische Rhyhtmusgrooves, drapiert mit esoterischen Klangeinlagen, wie Wassertropfen, Windgeräuschen und Vogelgezwitscher unterstrichen den  mystischen Klangteppich der sich in  der Lichtburg niederließ.  Estas spielte ohne Unterbrechung 90 Minuten am Stück. Sein Publikum war in Trance. Viele seiner Fans schreiben ihm übermenschliche Kräfte zu, was aus rein wissenschaftlicher Sicht  natürlich Unfug ist, aber das wir alle gemeinsam in dieser rauschenden Klangwelt gefangen waren, ist unbestritten. Ich hatte es bisher noch auf keinem Konzert, auch Klassik, erlebt, dass während des gesamten Vortrages keinerlei störende Nebengeräusche (naja, bis auf ein paar unvermeidliche unterdrückte Reizhustenattacken) zu vernehmen waren. Keine Gespräche, kein Salzstangen oder Chipstütengeraschel oder ähnliches. Wunderbar.

Nach diesem außergewöhnlichen Hörerlebnis war es Estas wichtig, uns noch ein paar bedeutende Worte mitzuteilen, welche ich wiederum akustisch nicht in Gänze aufnehmen konnte. Die anschließenden zwei  „kurzen“ Songs waren technisch wieder brilliant und ebenfalls sehr hörenswert, aber nach dieser 90minütigen Gitarrenorgie wirkten sie doch etwas blass.

Wer auf der Suche nach einem unvergesslichen Konzerterlebnis ist, sollte sich ein Konzert von Estas Tonne nicht entgehen lassen.

Als Ausgleich für meine zuvor gestandenen „akustischen Unzulänglichkeiten“ möchte ich an dieser Stelle doch ein Zitat aus des Meisters Munde wiedergeben, welches durchaus Rückschlüsse auf das Wesen und Anliegen dieses außergewöhnlichen Musikers und Menschen zulässt

Das Leben atmet als Musik durch jeden von uns. Während wir auf unseren Atem vertrauen, vertrauen wir darauf, dass das Leben genau dieses Lied singt, weshalb wir alle existieren.“