2009/12/12 | In Extremo „Tranquilo – Akustik Tour“ in der Christuskirche Bochum

Nach gut einem Jahr schauen In Extremo mal wieder hier im Revier in Bochum vorbei, um uns mit ihrer Tranquilo Akustik Darbietung zu beglücken.

Die Tickets waren trotz des ziemlich hohen Preises  von 40,– Euro schnell vergriffen, so dass das Konzert schon vor Wochen ausverkauft  gewesen war.

19.00 Uhr, an der Christuskirche, Schlange stehen, es ist kalt, aber keiner murrt oder drängelt. Wie bei allen In Extremo  Konzerten sind die Fans jeglicher Altersklassen freundlich und gut gelaunt. 19.50 Uhr – die Kirche ist rappelvoll. Einige Besucher fanden auf den Kirchenbänken und Stuhlreihen keine Sitzgelegenheit mehr, so dass sie sich seitlich und sogar im Hauptgang platziert haben.

Die Bühne war recht nett gestaltet. Vor dem Schlagzeug aufgebaut war ein rotes Chaiselounge nebst Beistelltisch, auf dem Michael (Das letzte Einhorn) sich später lümmeln sollte. Eingerahmt von altertümlich wirkenden Laternen aus dem 19. Jahrhundert versprühte der Bühnenaufbau eine gewisse anheimelnde Atmosphäre.

Gegen 20.10 Uhr betraten dann In Extremo  die Bühne. Der Morgenstern (Reiner Morgenroth) konnte krankheitsbedingt seine Kumpane nicht begleiten und wurde von „Herr Otto“ an den Drums vertreten, der seinen Job sehr gut machte. Ihr Bühnenoutfit an diesem Abend war schon recht exotisch. Gewandet in edlem Zwirn mit Knickerbockerhosen, Hüten und Schlägermützen entsprachen die Sieben durchaus dem  Bild einer  Deutschen Burschenschaftsgang  Ende des 19.ten Jahrhunderts.

Michael nahm auf dem Chaiselounge platz und die Band starteten ihr Akustikkonzert mit einer wirklich hervorragenden Version von den „Merseburger Zaubersprüchen (I)“. Toll. Die Akustik war, wie nicht anders in einer Kirche zu erwarten,  phantastisch.

Michael schien aber zu Beginn des Konzerts leicht reizbar, so dass er auf die relativ lauten Begeisterungskundgebungen und Zwischenrufe eines Fans ungehalten reagierte und diesen Menschen mit Spacko und Blödmann titulierte und sich sogar später dazu hinreißen ließ, ihm anzudrohen, wie gemein er werden könnte. Ungewöhnlich, wo doch Michael ansonsten ein netter Mensch ist.

Seis drum.  Souverän und mit viel Spielfreude zeigten uns In Extremo das ihre Lieder  akustisch vorgetragen  keinesfalls an Stärke verlieren .  Ob es nun der „Spielmann“, „ Frei zu sein“ , „ Singapur“, „  Mein Sehnen“, „Ave Maria“, „In diesem Licht“ oder die mit Gottes Verständnis vorgetragene „Nymphenzeit“ des ersten Konzertabschnittes dieses Abends war –  alle Lieder versprühten .- auch ohne Feuerwerk – wieder ihr eigenes Credo. Dies liegt natürlich zum einen an die außergewöhnliche Instrumentierung von In Extremo ( wer In Extremo noch nicht kennen sollte, gehe mal bitte auf www.inextremo.de, dort werdet ihr alles Wissenswertes erfahren) und natürlich an ihren charismatischen Sänger. Michael, Das letzte Einhorn. Michael beherrscht die Szene und hat, bis auf die kleinen Zwischenfälle im ersten Konzertabschnitt, das Publikum im Griff.

Nach einer kurzen Pause zwischen 21.15 bis 21.30Uhr ging die Menge in der Kirche zum ersten Mal an diesem Abend  zu Beginn des zweiten Abschnittes bei „Vollmond“ richtig mit. Wahrscheinlich hat die „ungewohnte“ Umgebung  etwas gehemmt.. Nach  „Die Gier“ und „En esta Notche“ kam es dann auch zu der Versöhnung zwischen Michael und „seinem „ Fan. Michael hat sich in aller Form mit Handschlag bei ihm für die verbalen Entgleisungen entschuldigt. Nette Geste- Michael ist ja doch ein Guter. Eine weitere nette Geste folgte umgehend. Ein Geburtstagskind aus der ersten Reihe durfte neben Michael auf dem Chaiselounge platz nehmen und gemeinsam mit der Band „Nur ihr allein“ mit gestalten. Es folgten ( ein Stück fehlt in der Auflistung, sorry ) „Flaschenpost“ „Sieben Köche“ und „Aufs Leben“ , welches dann auch den zweiten Konzertabschnitt beendete.

Natürlich kamen die Mannen noch einmal  für eine Zugabe bzw. zum 3. Abschnitt dieses Konzertabends zurück. Zunächst gestalteten Michael und Sebastian, besser bekannt als Van Lange, an der Gitarre ohne sonstige Begleitung „Mein rasend Herz“. Schon ziemlich ungewöhnlich. Aber der gesamte Abend war ja ungewöhnlich. Anschließend hauten die Jungs einen Klassiker von AC/DC raus, dessen Inhalt durchaus auch auf In Extremo passt, it’s a Long Way to the Top (If You Wanna Rock ’n‘ Roll).

Obwohl mir Michaels Gesang auf Deutsch, Spanisch, Latein, Gälisch usw. besser gefällt, war diese Interpretation mehr als hörenswert. Zumal man diesen Vortrag  von In Extremo nicht erwarten konnte.

Der Abschluss des Konzertabends bildeten dann „Herr Mannelig“ und „Küss mich“.

Einige Klassiker wie den „Spielmannsfluch“, „Avis Lo Lop“  „Wind“ oder „Villeman…“ habe ich vermisst. Vielleicht passen diese Lieder aber auch nicht in die Kirche.

Bei einigen Stücken swingten  Gitarre und Bass ungewohnt  und manchmal hatte man den Eindruck, dass die Jungs damit zu kämpfen hatten, das Tempo etwas  drosseln zu müssen.

Fazit: Ein bemerkenswertes Konzerterlebnis. Der Besuch eines In Extremo Konzerts lohnt sich immer.